Glockner Gerichtsurteil

23.02.2026

GLOCKNER URTEIL - Man könnte mit dem Wortlaut von Hans-Peter Eisendle sagen, es wurde über den Fall in den Sozialen Medien schon genug diskutiert (teilweise hochgradig unqualifiziert), da brauchts mich nicht auch noch.  Öffentliche Expertise von Profis und Bergführern habe ich jedoch etwas vermisst, aber warten wir einmal auf die nächste Ausgabe von "Berg und Steigen".



Ich finde es gut, dass es hier zu einer Verurteilung mit Richtungsweisung gekommen ist. Ich glaube, dass nach diesem Urteil die private Mitnahme von Anfängern sensibler behandelt wird und Führungsrollen deutlicher angesprochen werden. Wir müssen alle diesbezüglich unser Tun neu hinterfragen und uns der Verantwortung bewusst sein. Anfänger werden vielleicht wieder vermehrt Touren mit Anfängern gehen müssen und dann wird es halt nicht der Glockner. Es steht jedem frei sich einen professionellen Guide zu nehmen, aber Bergsteigen lernt man nicht, wenn man im Nachstieg hoch gezogen wird.


RICHTER: "DIE FRAU WAR GALAXIEN VOM ALPINISTISCHEN KÖNNEN UND DER ERFAHRUNG DES ANGEKLAGTEN ENTFERNT"

Erstens, wer ein starker Alpinist ist, muss kein guter Guide sein. Genau darauf spezialisiert sich die Bergführerausbildung.

Zweitens, generell fit durch Sportarten wie Bouldern, Sportklettern, Trailrunning usw. zu sein, ersetzt nicht das jahrelange Training im alpinem Gelände. Viele dieser Sportarten besitzen kaum alpine Kompetenz. Beim alpinen Bergsteigen wird der Körper mental und physisch geschult, sich so ökonomisch wie möglich auf vertikalem Fels, Eis, Schnee und Schrofen zu bewegen. 

  • Wie plant man eine Alpinklettertour?
  • Wie orientiert man  sich in einer großen Wand?
  • Wie funktioniert mein Seilhändling bei Kälte, Schnee mit Handschuhen bei einer Winterbegehung. 
  • Wie baue ich eine Sicherungskette ökonomisch auf? Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Geschwindigkeit ist Sicherheit.
  • Wie packe ich einen Rucksack effizient? Wie kann ich mit schwerem Rucksack klettern?
  • Essen und Trinken ist Gewicht. Es wird die minimalste Ration eingepackt und der Körper geschult, dass er mit wenig auskommt. 

Reinhold Messner spricht in diesem Zusammenhang von der Leidensfähigkeit und den Entbeerungen die eine alpine Bergtour mit sich bringt. Das ist eigentlich nicht jedermanns Sache und wunderlich warum Bergsteigen eine Trendsportart geworden ist.

Drittens, die Kompetenz eines Bergsteigers lässt sich sehr leicht anhand der Ausbildung und eines Tourenbuchs feststellen. Hier werden nur Touren angeführt, welche in einer eigenverantwortlichen-gleich starken Seilschaft in Wechselführung geklettert wurden. Die schwierigsten Vorstiegsstellen werden dabei zu gleichen Teilen aufgeteilt. Thomas P. war laut dem Netz 14 mal am Glockner (auf viel schwereren Routen), hatte Nordwände und 4000er Gipfel gemacht.


MEINE FRAGEN:

  • Warum wurde kein psychologisches Gutachen vom Angeklagten eingeholt in Bezug auf die Aussage seiner Ex? Es gibt so viele verrückte Egomanen, die Leute am Berg "verheizen", auch wenn der ServusTV diese nicht wahrhaben will. Sogar Reinhold Messner beschreibt den Bergsport als egoistische, dekadente, Luxuserscheinung der letzten 200 Jahre.
  • Von 14:30 (Frühstücksplatzerl) bis um 22:30 schaffen die beiden in 8h ca 300Hm. Wenn man so langsam klettert, muss es viele Probleme gegeben haben. Wieso ignorieren beide mitten in der Nacht den rettenden Heli?
  • Das Splittboard ist definitiv die falsche Wahl. Nicht nur die weichen Schuhe sind ein Problem, auch das Gewicht am Rücken, wenn man es auf den Rucksack schnallt. Es ist viel zu schwer.


Das Urteil ist absolut gerechtfertigt und wegweisend speziell für private Seilschaften, Pärchenseilschaften und dem neuen Trend der spontanen FB- und Tinder-Bergdates🫣🫣🫣.

Ich fühle mich bestärkt, in den Streitereien die ich mit meinen 20 Jahren Bergerfahrung (5000er, 4000er, Nordwände, AV-Guide) schon mit weniger erfahrenen Personen durchfechten musste. Führungsrollen wurden nicht akzeptiert, sowie die Führungsarbeit am Berg wird von Anfängern nicht verstanden. Sie glauben mit Klettergarten, Berglauf und Hyrox sind sie bereit für eine schwere Alpintouren. Ich habe argumentiert: "Diese Tour ist noch zu schwer für dich bzw. wir drehen jetzt um." und wurde mit großem Unverständnis wahrgenommen. Ich hoffe, dieses Urteil hilft zur Sensibilisierung von Anfängern und egomanischen Alpinisten am Berg gleichermaßen. Beim Glocknerdrama bleiben viele Fragen offen und es wirft ein sehr komisches Licht auf die Sache.

@ 2021 Mag. MEd. Gabriel Alexander 
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